Gebäudefeuer Bohlweg am 22./23.11.2013

Einsatzbericht

 

Jeder Ortsbrandmeister hat und kennt in seinem Zuständigkeitsbereich Objekte und Bereiche in bzw. bei denen er hofft, dass es niemals zu einem Einsatz kommt, die er immer gedanklich in einer Schublade abgelegt hat, sie immer wieder hervorholt und sich über Einsatzszenarien und Einsatztaktiken Gedanken macht.

 

In Wildemann sind es die Seniorenheime, größeren Beherbergungsbetriebe und – die Ortsdurchfahrt mit der alten engen Bebauung.

 

Sag niemals nie heißt ein guter James Bond Film und eine sehr gute Aussage zu Brandeinsätzen wurde in einem Gerichtsurteil (OVG Münster 10A 363/86) getroffen:

"Es entspricht der Lebenserfahrung, dass mit der Entstehung eines Brandes praktisch jederzeit gerechnet werden muss. Der Umstand, dass in vielen Gebäuden jahrzehntelang kein Brand ausbricht, beweist nicht, dass keine Gefahr besteht, sondern stellt für die Betroffenen einen Glücksfall dar, mit dessen Ende jederzeit gerechnet werden muss !"

 

So gehen die Alarmglocken bei einer Durchsage mit „Gebäudefeuer Bohlweg“ besonders laut an.

 

Um 12.24 Uhr erfolgte die Alarmierung der Ortsfeuerwehr Wildemann und zeitgleich der Freiwilligen Feuerwehr Clausthal-Zellerfeld, die bei Gebäudefeuer in Wildemann als Schwerpunktwehr mit alarmiert wird.

 

Lage vor Ort:

Feuer im Gebäude Nr. 12 mit Gefahr des Übergriffs auf die Nebengebäude Nr. 10 und 14. Personen nicht mehr im Gebäude oder in Gefahr.

 

Vorderfront des Gebäudes
Rückfront zum "Gallenberg"

 

Das Tanklöschfahrzeug (TLF 3000/ST) Wildemann war erstes Einsatzfahrzeug am Ort.

 

Als erste Fahrzeuge der FF CLZ waren die Drehleiter und das Tanklöschfahrzeug (12.38 Uhr) am Ort. In zeitlicher Abfolge trafen nach dem Einsatzleitfahrzeug, das Löschgruppenfahrzeug (12.40 Uhr) , das zweite Tanklöschfahrzeug (12.41 Uhr) und der Gerätewagen Logistik (14.53 Uhr) ein.

 

Löschgruppenfahrzeug und Mannschaftstransportfahrzeug der Ortsfeuerwehr Wildemann befanden sich zwischenzeitlich auch vor Ort.

 

Aufgrund der Lage wurde in Absprache mit dem Gemeindebrandmeister zur Unterstützung im Bereich der Atemschutzgeräteträger und Erforderlichkeit einer zweiten Drehleiter, die Freiwillige Feuerwehr Langelsheim um 12.33 Uhr alarmiert.

Einsatz Drehleiter CLZ und Gelenkmast Langelsheim

 

Kreisbrandmeister und die Leitung des Ordnungsamtes der Samtgemeinde Oberharz trafen ebenfalls an der Einsatzstelle ein und um 13.29 Uhr übernahm der Einsatzleitwagen 2 die Einsatzkoordination.

 

Für die Ortsdurchfahrt Wildemann (Landstraße 515) wurde eine Vollsperrung ausgesprochen und durch eingesetzten Kräfte der Polizeidienststellen ausgeführt.

Einsatz im engsten Bereich der Ortsdurchfahrt
Straßenführung von Süden her

 

Aufgrund der starken Rauchentwicklung war eine direkte Brandbekämpfung nur unter schweren Atemschutz möglich.

 

Zur weiteren Unterstützung wurde die Freiwillige Feuerwehr Bad Grund (Drehleiter und Atemschutzgeräteträger) alarmiert und war um 13.03 Uhr am Einsatzort. Außerdem wurde zur Vorhaltung weiterer Atemschutzgeräteträger die Freiwilligen Feuerwehren Lautenthal um 13.14 Uhr alarmiert und traf um 13.36 Uhr ein.

 

Die Ortsnähe und die jeweilige Zufahrt in den nördlichen Einsatzbereich (Langelsheim und Lautenthal) und südlichen Einsatzbereich (Bad Grund) waren ausschlaggebend für die Heranziehung dieser Ortsfeuerwehren, da die Ortsdurchfahrt selbst durch die bereits im Einsatz befindlichen Fahrzeuge versperrt war.

 

Die Ortsfeuerwehr Wildemann nahm den Erstangriff am Haupteingang vor.


Der ersten Angriffstrupp gab hierzu folgenden Bericht:

Die Wohnungstür des Gebäude Nr. 12 wurde durch den stellvertretenden Ortsbrandmeister geöffnet. Die Flammen schlugen bereits aus der Tür heraus. Der dahinterliegenden Treppenraum und die Holztreppe standen in Brand. Nach zügiger Brandbekämpfung konnte das EG betreten werden. Es gab keine weitere Brandausbreitung in diesem Geschoss. Die Glastür am Treppenraum war verschlossen und wurde mithilfe von Brechwerkzeug vom Trupp geöffnet. Nach Ablöschen der Holztreppe wurden die Löscharbeiten nun von den ersten Stufen der Treppe in das 1. OG hinein fortgesetzt. Bei dem Begehen der Treppe und Erkundungsversuchen im 1.OG wurden von den obersten Stufen festgestellt, dass sich das komplette Geschoss in Vollbrand befand und sich einzelne Holzteile der Zwischendecke bereits gelöst hatten. Daraufhin wurde ein taktischer Rückzug zurück in das EG vorgenommen und die Löscharbeiten wurden nach einer Lagemeldung an den Gruppenführer fortgesetzt, bis die Atemschutzüberwachung den Rückzug aus dem Gebäude und die Übergabe an den 2. Trupp über Funk anordnete.


Die Drehleiter CLZ konzentrierte ihren Einsatz sofort auf den Dachbereich.

 

Die Wasserversorgung wurde über die Tanklöschfahrzeuge, Überflurhydranten und offenes Gewässer (Bachlauf der Innerste) sichergestellt.

 

Folgende Einsatzabschnitte wurden gebildet:

straßenseitig

-       Gebäude Nr. 12

-       Nebengebäude Nr. 10

-       Nebengebäude Nr. 14

bergseitig

-       Hintergebäude

Brandbekämpfung im Bereich der Dachstühle
AGT-Bereitschaften im südlichen Einsatzbereich
AGT-Bereitschaften im nördlichen Einsatzbereich

 

Aufgrund bestehender Einsturzgefahr musste im Haus Nr. 12 der Innenangriff um 13.19 Uhr abgebrochen werden. Obergeschoss, Dachgeschoss und Dachstuhl standen in Vollbrand. In den Dachstühlen hatte das Feuer auf die Nachbargebäude (10 und 14) über gegriffen.

 

Um 15.10 Uhr konnte „Feuer unter Kontrolle“ gemeldet werden.

Dieses nicht zuletzt durch

-       den massiven Einsatz, insbesondere über die Drehleitern der Freiwilligen Feuerwehren Clausthal-Zellerfeld und Langelsheim;

-       dem möglichen Innenangriff in den Gebäuden Nr. 10 und 14 um eine Brandausbreitung zu verhindern und die Dachstuhlbereiche frühzeitig abzulöschen;

-       den rückwärtigen Einsatz vom Berghang.

Einsatzleitung auf dem Parkplatz "Hotel Rathaus"

 

Umfangreiche Nachlöscharbeiten ließen ein vollständiges abrücken der Einsatzkräfte jedoch noch nicht zu.

 

Die Herauslösung erfolgte um

15.13 Uhr      Freiwillige Feuerwehr Bad Grund

16.19 Uhr       Freiwillige Feuerwehr Lautenthal

16.39 Uhr      Freiwillige Feuerwehr Langelsheim

17.52 Uhr      Freiwillige Feuerwehr Clausthal-Zellerfeld

 

Die Einsatzstelle wurde vom Baubetriebshof der Samtgemeinde Oberharz verkehrssicher abgesperrt und die Ortsdurchfahrt wieder freigegeben.

 

Kleinere Nachlöscharbeiten wurden seitens der Freiwilligen Feuerwehr Wildemann vorgenommen und Brandwache bis 23.00 Uhr gestellt.

 

Im Anschluss wurden die Gebäudezugänge seitens der Kriminalpolizei Goslar versiegelt.

 

Insgesamt waren vor Ort:

 

Samtgemeindebürgermeister

Leiterin des Ordnungsamtes

 

Polizeikommissariat CLZ

Polizeiinspektion Goslar

 

Rettungsdienst

DRK

 

Kreisbrandmeister

Pressegruppe KFV GS

 

Stellv. Kreisbrandmeister

und Gemeindebrandmeister

 

FTZ (WAB-A und Schlauchwechselwagen)

FF Harlingerode (ELW 2)

 

FF Wildemann

FF Clausthal-Zellerfeld

FF Langelsheim

FF Lautenthal

FF Bad Grund

 

Energieversorger Stadtwerke Clausthal-Zellerfeld und Harz Energie Osterode

 

Baubetriebshof Samtgemeinde Oberharz

 

140 Personen/Mitarbeiter/Einsatzkräfte

  35 Fahrzeuge

 

Seitens der Ortsfeuerwehr Wildemann bedanke ich mich für die gute und reibungslose Zusammenarbeit bei allen vorstehend Beteiligten.

 

Die gute Zusammenarbeit und das reibungslose Zusammenspiel zwischen den einzelnen Feuerwehren hat wieder einmal gezeigt, dass ein gutes Miteinander schnell zu einem Erfolg führen kann. Nur gemeinsam sind wir stark und können unsere Aufgabe zum Wohle der Bürger wahrnehmen.

 

Ein abschließender Dank geht aber auch an die Wildemanner Bevölkerung, die sich in dieser Ausnahmesituation toll verhalten hat, keine Störungen im Einsatzverlauf eingetreten sind und die Einsatzkräfte in jeder Hinsicht unterstützt wurden. Vielen Dank !

 

Umfangreiches Fotomaterial steht zur Verfügung und wird zur Zeit gesichtet. Weitere Aufnahmen aus dem Einsatzbereich nimmt die Feuerwehr gern entgegen.

 

Thomas Sudhoff

Ortsbrandmeister

 

Nachlöscharbeiten der Ortsfeuerwehr Wildemann mit Unterstützung der DLK der Freiwilligen Feuerwehr Clausthal-Zellerfeld am 23.11.2013 nach Alarmierung um 08.06 Uhr bis 11.05 Uhr.