TH-Ausbildung - 01.09.2017

Auch in diesem Jahr waren wir wieder auf dem Gelände der Firma Pohl KFZ-Service in Bad Grund um unsere TH-Ausbildung zu vertiefen.

 

Ausbilder an diesem Freitag waren Patrick Sudhoff und Martin Urlaub, die in diesem Jahr den einwöchigen TH-Lehrgang an der Feuerwehrschule in Loy absolviert haben und ihren Ausbildungsstand an die Mitglieder der Einsatzabteilung weiter geben konnten.

 

Der Ablaufplan und die erfolgten Tätigkeiten sind auf den nachfolgenden Fotos dargestellt und das Resümee der Ausbildung konnte abschließend mit den Worten „auch mit wenig kann man viel erreichen – man muss nur wissen wie es geht“, beschrieben werden.

Verunfallter PKW in vorgefundener Position.
Erläuterungen zum Vorgehen.
Sicherungsarbeiten.
1. Zugangsöffnung.
2. Zugangsöffnung.
Spinnbord für den Rettungseinsatz.
Dachöffnung mit Säbelsäge.
Spinnbordeinsatz nach Dachöffnung.

Technische Hilfeleistung ohne Rüstsatz

Eine verunfallte Person patientenorientiert und schnell aus dem Fahrzeug befreien - mit einfachsten Hilfsmitteln. Dieser Herausforderung stellten wir uns während eines Ausbildungsdienstes am 18.07. bei der Fa. Pohl in Bad Grund.

 

Hierzu nutzten wir das LF 10 mit folgenden Gerätschaften:

 

- Verkehrsunfall-Koffer

   mit Glasmaster, Federkörner, Klebeband, Gesichts- und Mundschutz

- Rettungsrucksack inkl. HWS-Schiene, Decke als "weicher" Patientenschutz

- Spineboard mit Fixierungsmaterial

- Halligantool/Force-Rescue-Tool, Feuerwehraxt, Spalthammer, Brecheisen

- Säbelsäge mit Metallsägeblatt, Stromerzeuger

- Schlauchmaterial/Schlauchbrücken zum Unterbauen des Fahrzeuges

- Verkehrsleitkegel, Absperrmaterial, Schaumangriff und Feuerlöscher

- iPad zur Darstellung der Rettungskarte

 

Angenommenes Szenario war ein verunfallter PKW mit einer eingeschlossenen Person:

 

Bevor mit der technischen Rettung begonnen wurde musste zunächst die Unfallstelle abgesichert und der Brandschutz sichergestellt werden, um eine Gefährdung der Einsatzkräfte zu reduzieren. Währenddessen erkundete der Ausbilder mit einem 360° Blick die Unfallstelle um die Zahl der Verletzten und mögliche Gefahren zu erkunden und den Fahrzeugtyp zu bestimmen. Über das kürzlich beschaffte iPad (Artikel folgt) konnte zügig die passende Rettungskarte herausgesucht werden, mit welcher Karosserieverstärkungen, Position von Batterien und Airbags sowie weitere sicherheitsrelevante Merkmale aufzeigt werden konnten.

 

 

Rettungskarten können von jeder Privatperson kostenlos unter http://www.dekra.de/de/rettungskarten-zum-download heruntergeladen und hinter der Sonnenblende aufbewahrt werden. Dies erleichtert Einsatzkräften im Notfall eine schnelle und effektive Rettung!

 
Beispiel für eine Rettungskarte / © Renault Deutschland

Anschließend wurde eine Bereitstellungsraum für technisches Gerät hergestellt und mit der Stabilisierung des Fahrzeuges begonnen. Hierfür wurden Schläuche/Schlauchbrücken unter die Fahrzeugsäulen positioniert und Unterlegkeile unter die Räder positioniert. Sobald die Stabilität gewährleistet war, konnte mit der Öffnung eines ersten Zugangs begonnen werden. Mittels eines Federkörners konnte die Seitenscheibe der Beifahrertür innerhalb von Sekunden zerstört werden, damit der "innere Retter" die med. Versorgung beginnen konnte. Währenddessen kümmerten wir uns um die Öffnung der Motorhaube, um die Batterie abzuklemmen (Minimierung Brandgefahr/Airbagauslösung).

 

Zur Befreiung des Pat. entschieden wir uns für die sog. "Fischdosen-Technik", welche die Abnahme des Daches vorsieht, um den Patienten achsengerecht auf das Spineboard bringen zu können. Hierfür wurden Schnittpunkte an den A- und B-Säulen angebracht, die mit der Säbelsäge mühelos durchtrennt wurden. Anschließend konnte das Dach wie ein Scharnier nach hinten geklappt und mit der Menschenrettung begonnen werden. 

 

Wir bedanken uns bei der Fa. Pohl für die kostenfreie Bereitstellung des Übungsobjektes.

 

Abschließend war dies eine lehrreiche Erfahrung und wir stellten fest, dass eine effektive Personenrettung mit Rüstsatz immernoch die beste Wahl ist - im Notfall jedoch auch für eine gut ausgebildete Feuerwehr ohne schweres technisches Gerät/Rüstsatz mit einfachen Hilfsmitteln durchführbar ist.

Stabilisieren des Fahrzeuges mittels Schlauchmaterials
Erläuterung der Vorgehensweise durch den Ausbilder
Medizinische Versorgung durch den inneren Retter
Dachabnahme mit der Säbelsäge
Teambesprechung nach erfolgreichem Schnitt